FRANZISKA MADERTHANER


"Bilder über Bilder"

  

Fluide Metamalerei

Wolfgang Pauser


Wer einmal in die Praxis des Malens hineingeraten ist, hat sich – gewollt oder ungewollt – einem Kontext ausgeliefert: dem Kontext der Malerei. Zu diesem muss man sich malend verhalten, in diesem muss man mit seiner Malerei Stellung beziehen, weil die eigenen Ergebnisse des Malens von den Betrachtern so interpretiert werden, als hätte man sich zur Malerei verhalten und sich in dieser positioniert. In einer solchen ausgelieferten Lage empfiehlt es sich, das Malen nicht naiv, unwissend, unreflektiert, ohne Mittel, Fähigkeiten und Fertigkeiten praktizieren zu wollen, sondern die Malerei kunstvoll auszuüben und es in diesem Medium gleichsam „zu einer Kunst zu bringen“.

Zugleich unterscheidet sich die Malkunst im engeren Sinne von allen anderen Kunstfertigkeiten darin, dass hier die Regeln der Kunst zugleich auf eine Weise zu brechen sind, die einerseits individuell ist, zugleich aber auch sinnhaft auf den Kunstkontext bezogen. Das absolut Individuelle könnte mangels Code und Kontext nicht als solches gelesen und erkannt werden. Das strategisch auf den Kontext Antwortende könnte auch von jemand anderem erdacht worden sein. Die Malkunst stellt somit die paradoxe Aufgabe, die individualgeschichtliche Gewordenheit mit der kunst- und bildhistorischen Situation zu einer Einheit zu fügen; das Höchstpersönliche und das Allgemeingültige des gesellschaftlichen Bildbestands wie die beiden Stränge eines Reißverschlusses neuernd und sinnstiftend zusammenzuziehen.

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