2011 - INGE KRACHT



Eröffnung : Sonntag, 23. Jänner  2011, 18.30 Uhr
Die Künstlerin wird anwesend sein

Dauer  bis 3. März 2011

Inge Kracht setzt sich mit den Wechselwirklungen zwischen Raum und Zeit, Materie und Metaphysik auseinander. Die meisten ihrer jüngsten Arbeiten bestehen aus drei Teilen: (1) die „sachliche“ Darstellung der Dinge, (2) Ornament und Muster und (3) die monochrome – oft kalligrafisch erweiterte - Fläche. Das Ornament – Alois Riegl, einer der wichtigsten Vertreter der „Wiener Schule der Kunstgeschichte“, forderte bereits 1893 die Anerkennung des rein künstlerischen Wesens des Ornaments und die Loslösung vom Gebrauchsgegenstand – entwickelt sich bei Inge Kracht aus dem in einer geradezu hyperrealistischen Schärfe dargestellten Gegenstand, welcher von der Künstlerin am PC zerteilt, gespiegelt, verzerrt und als neu entwickelte Form in intensiver Farbigkeit auf die Leinwand übertragen wird. „Ich stelle mit einem Ornament oder Muster einen Bezug zum Wesen des Gegenstands her und konstruiere eine Idee, beziehungsweise eine vorgestellte Struktur, auf deren Ordnung, die zu erkennen ich versuche, alles, was ist, basiert,“ erklärt Inge Kracht, „ich empfinde das Ornament auch als einen anderen Blick auf die Gesetzmäßigkeit und Ordnung die in allen Dingen dieser Welt verborgen ist.“
Der dritte Teil, die monochrome Fläche, beruhigt. In der Malerei markiert die Monochromie einen Grenzbereich. Im strengen Sinn begriffen, beschränkt sie sich auf einfarbige, in Helligkeit und Tonalität kaum variierende Bilder. Das Spektrum individueller Gestaltung ist reduziert und es fehlt an expliziten Bezügen zur außerbildlichen Realität. Teilweise überzieht Inge Kracht ihre monochromen Flächen in Spiegelschrift - für den Betrachter, wenn überhaupt, nur schwer entschlüsselbar, für die Künstlerin, die seit ihrer Kindheit diese Art der Schreibens praktiziert, eine Selbstverständlichkeit – mit komplexen Texten aus Büchern, die sie gerade liest.
Die Bilder von Inge Kracht sind Metaphern für philosophische Fragestellungen und ein Versuch einer neuen/anderen Leseart von „Realität“.
Dr. Angelika Gillmayr, Kunsthistorikerin