Oliver KROPF

 

 by  Katerina Cerny

 

Oliver Kropf malt infernalische, abgründige Szenen, die im modernen urbanen Raum angesiedelt sind. Die verwaiste Peripherie städtischer Agglomeration bildet den motivischen als auch narrativen Hintergrund der Malereien des jungen Künstlers.
Als Kulisse wählt er eine Landschaft, die nicht im öffentlichen Fokus liegt. Sie zeichnet sich durch den Verzicht auf die ständigen und ostentativen Gesten der Erneuerung und Instandhaltung aus, die auf die Rationalität und Ökonomie moderner Zivilisation verweisen.
Der sich unbeachtet und leise vollziehende Prozess des Verfalls, der diese städtischen Randzonen prägt, erfährt in seinen Bildern eine Beschleunigung und gelangt zu dramatischen Höhepunkten, die das Moment gewalttätiger Zerstörung in sich bergen.
Verlassene Fabriksgebäude und ehemalige Industriehallen werden auf beunruhigende Weise von Farb- und Formexplosionen überlagert, die die Spuren der Zivilisation unter sich begraben.
Die innerbildliche Lichtqualität erinnert nicht an natürliche Quellen, sondern in ihrer Stärke und Eigentümlichkeit an medial vermittelte Bilder kriegerischer Auseinandersetzungen oder atomarer Katastrophen.
Allerdings ist es hier nicht die menschliche Hand, die den Prozess steuert, sondern die menschenfeindliche Atmosphähre einer Wildnis, die sich jeglicher Reglementierung und Nutzbarmachung entzieht und mit großer Vehemenz den Raum einfordert.
In diesen apokalyptischen Szenarien, in denen selbst die Naturgesetze ihre Gültigkeit verloren zu haben scheinen, finden sich einzelne Gestalten wieder, die von diesen wuchernden Strukturen einverleibt werden.
Dabei handelt es sich um den Typus des Antihelden, der zum Protagonisten des Geschehens in dieser fiebertraumartigen Wirklichkeit wird. Er begegnet dem Betrachter meist in Form stereotyper Männerbilder oder Grotesken.
Zum einen tritt er als Einzelgänger im Kampf mit den Elementen in einem brennenden Inferno in Erscheinung aus dem es kein Entrinnen gibt. Er steht dem Geschehen machtlos gegenüber und er hat keinen Einfluss auf sein Schicksal.
Zum anderen begegnet er uns in der Rolle des Narren, der sich - durchtrieben und ohne Rücksicht auf moralische Prinzipien – Souveränität verschafft und in diesem ungastlichen Klima sein Auskommen findet.
Die entfesselte und bedrängende Energie dieser Malerei geht über die Grenzen des Bildraums hinaus und die vom Raum überwältigten Gestalten finden sich im Betrachterraum wieder. Die eigene und innerbildliche Wirklichkeit geraten aneinander. Offen bleibt, wer hier einer Illusion unterliegt und welche sich als beharrlicher erweist.

 

 

 

by Eva Maria Bechter

Oliver Kropfs Werke sind aufgebaut durch unzählige Schichten. Ist der Beginn eine farbige Überdeckung der Leinwand in Hinsicht auf eine Grundierung, so bleibt von dieser nach Vollendung des Gemäldes nur mehr selten etwas zu sehen. Er arbeitet diese Grundierung systematisch zu, setzt mit Hilfe eines Projektors seine Figuren auf die gestische Hintergrundmalerei und beginnt dann diese mit den Schichten darunter zu verbinden. Das vollendete Bild wirkt oft mystisch, teils gar düster, so wie sich die Figuren in diese Landschaft einfügen und doch meist auch fehl am Platz wirken.

Die gesetzten Pinselstriche zeugen von einer Kraft und Stärke, aber gleichsam auch von einer Freude an der Malerei per se. Die spontane Gestik, die erkennbaren Spuren der Pinselführung werden meist auch in den stets männlichen Protagonisten aufgegriffen. Oft handelt es sich bei diesen um typisch klischeehaft besetzte Männerrollen. Der Jäger mit angelegtem Gewehr auf der Jagd, der Krieger, der auf dem galoppierenden Pferd seinen Bogen spannt, oder auch der Diktator, der sein Volk anführt. Und doch sind diese starken Männer verletzlich. So wirkt der Krieger plötzlich verzweifelt und vergräbt sein Gesicht in seiner Hand, der Clown verliert seine Allüren als Spaßmacher und wirkt selbst gehetzt und ängstlich...

Hier beginnt die Malerei von Oliver Kropf  Fragen auf zu werfen. Was geschieht hier? Warum steht diese Figur vor dieser scheinbar leeren Hausruine? Auf wen wird dieser Baseballschläger schwingende schreiende Mann als nächstes einschlagen? Beklemmung und düstere Vorahnungen mögen im Betrachter bei diesen Fragen aufkeimen, doch wenn dann die Malerei in ihrer Selbstreferenz in Bezug gesetzt wird, ist wiederum die malerisch tiefe Qualität vordergründig.
Die Position von Oliver Kropf ist spannend und erfrischend. Collage-artig baut er seine Gegenstände in den malerischen Hintergrund ein und verbindet in seinen Werken Mystik und reine Malerei. Und wenn eine rote Figur durch die Himmelsphäre fliegt, so sieht der Künstler sich selbst darin, ständig rauf und runter, aber doch in luftigen Höhen frei fliegend.