Inge KRACHT

 


 

Gedanken:

 

Die Welt besteht aus bestimmten Energiezuständen, die sich über die Materie manifestieren. Übersetzt man „Energie“ mit „Geist“ bzw. definiert man das Immaterielle auf diese Art, dann könnte man auch sagen, Materie bedingt Geist und umgekehrt. Es stellt sich auch die Frage, ob Beides zwingend auseinander zu dividieren ist wenn die Materieteilchen in unterschiedlicher Energiekonzentration existieren und diese Unterschiede die Erscheinungen dieser Welt formen und beeinflussen.

Wahrscheinlich bergen die Dinge und Zustände in sich jeweils ähnliche Wahrheiten, wenn nicht ein und dieselbe Wahrheit. Vielleicht existieren sie auch nur kraft unserer Vorstellungen und Einbildungen weil wir uns zu ausschließlich von unseren unmittelbaren Sinneswahrnehmungen leiten lassen?

Energie und Materie werden mittels chemischer und physikalischer Zustände bzw. Ordnungen und Zahlen beschrieben. Alles was nicht mittels chemischer und physikalischer Formeln, Ordnungen und Zahlen nachweisbar ist, bleibt mystisch, wirft die Frage nach einer höheren Macht auf, wird als Seele umschrieben oder auch als etwas, was nicht existiert, als Nichts oder die Leere. Auf der Suche nach dem kleinsten unteilbaren Teilchen verspricht sich die Wissenschaft eine Antwort auf die große Frage nach dem Ursprung und Wesen allen Seins.

Zitat aus „Erwin Schrödinger, Geist und Materie, Zürich 1989: „.....Es sind die gleichen Gegebenheiten, aus denen die Welt und mein Geist gebildet sind. Die Welt gibt es für mich nur einmal, nicht eine existierende „und“ eine wahrgenommene Welt. Subjekt und Objekt sind nur eines. Man kann nicht sagen, die Schranke zwischen ihnen sei unter dem Ansturm neuester physikalischer Erfahrungen ausgefallen; denn diese Schranke gibt es überhaupt nicht.“

Motivation:

In meinen Bildern stelle ich unterschiedliche Erscheinungsformen nebeneinander, welche aufgrund ihres optischen Reizes, einer besonders intensiven Wahrnehmung, auslösender Assoziationen oder aufgrund eines inhaltlichen Aspektes von mir ausgewählt wurden. Ich versuche, sie aus bestimmten Perspektiven heraus zu betrachten, die mit den eingangs beschriebenen Gedanken zusammen hängen. Es handelt sich dabei aber nicht um den Versuch etwas nachweisen zu wollen, sondern eher um ein Nachdenken über mögliche oder tatsächliche Zustände und Gesetzmäßigkeiten mittels der Technik der Malerei und der Zeichnung.

Der abbildende Realismus wird in der Kunst oft als dekorative und oberflächige Beschreibung der Dinge empfunden. Es geht mir aber nicht um die Darstellungsweise an sich oder weil ich eine Tendenz zum Fotorealismus bevorzugen würde. Die Technik bietet sich an, etwas, was intensiv wahrgenommen wurde, noch einmal als „so Gesehenes“ zu rekapitulieren bzw. noch einmal „existieren“ zu lassen, um gleichzeitig damit zusammenhängende Eindrücke ebenfalls zu visualisieren und ihnen eine optische Entsprechung zu geben. Die Schrift im Bild bezieht sich auf Texte wissenschaftlicher und philosophischer Art, Gebete der Menschen, oder Fachwissen über den einen oder anderen abgebildeten Gegenstand. Die Lesbarkeit ist nicht beabsichtigt. Das Ornament und die Strukturen verweisen auf die Anwesenheit einer Gesetzmäßigkeit bzw. jener Ordnung, die aller Existenz zugrunde liegen könnte.

Inge Kracht, Juli 2008